close
Menu

AIS Schier in der aktuellen Flur und Furche

Das Lohnunternehmen AIS Schier konzentriert sich seit Jahren auf Grunddüngung und Kalkung. Geschäftsführer Holger Schier beschreibt, wie man den pH-Wert eines Feldes homogenisiert, und warum diese Maßnahme für ihn ein guter Einstiegspunkt in die Präzisionslandwirtschaft war und nach wie vor ist.

 

Herr Schier, Sie führen seit 15 Jahren Präzisionskalkung durch. Ist eine hohe Variabilität des pH-Wertes bei Neukunden etwas Typisches?

Eine Variabilität ist immer da, allerdings nicht immer gleich ausgeprägt. Sie kann im tiefen oder im hohen Bereich auftreten, also bei pH-Werten von 4,5 bis 5,5 oder beispielsweise von 5,3 bis 6,5. Die Schere kann auch deutlich weiter auseinander gehen – beispielsweise von 5 bis 7. Die Ausgangsbasis, die wir vorfinden, ist sehr unterschiedlich.

Welche Faktoren tragen dazu bei?

Es sind dieselben, die auch zu einer heterogenen Bodenstruktur, Nährstoffsituation oder einem heterogenen Ertrag führen. Zum einen kann es in der Historie liegen: Teilschläge wurden unterschiedlich bewirtschaftet, zum Beispiel haben manche Landwirte früher gekalkt und andere nicht, und diese Parzellen wurden später zusammengelegt.

Ein weiterer Faktor ist die Geländestruktur der Flächen. In den Senken kann es durch Niederschlagsereignisse zu einer Anreicherung mit Nährstoffen kommen. Außerdem ist das  Wasserhaltevermögen durch unterschiedliche Bodenqualitäten innerhalb des Schlages nicht gleich. Dies führt in manchen Teilen zu höheren Erträgen und höheren Nährstoffentzügen, die wiederum wegen des Verlusts an basischen Kationen den natürlichen pH-Wert-Rückgang verstärken.

Angenommen, der durchschnittliche pH-Wert ist nicht kritisch und die Heterogenität nicht zu groß. Rentiert sich die teilflächenspezifische Kalkung in diesem Fall?

Nehmen wir einen Beispielschlag mit einer Variabilität des pH-Wertes zwischen 5,5 und 6,5. Hier müsste man im Durchschnitt etwa 4,5 t Kalk/ha aufwenden, wenn man konstant streut und den pH-Wert des Schlages als Mittelwert berechnet. Wenn man aber richtig hinschaut, dann stellt man fest, dass es Zonen gibt, wo der pH-Wert bei 5,5 liegt. In diesen Zonen beträgt der Kalkbedarf 8 t/ha. In Zonen mit einem pH-Wert von 6,5 dagegen nur 2 t/ha. Die Unterschiede im Kalkbedarf sind groß und können nur durch eine teilschlagbezogene Kalkgabe ausgeglichen werden. Bei konstanter Ausbringung reichen die 4,5 t Kalk/ha an Stellen mit dem hohen Kalkbedarf nicht aus, um den pH-Wert ins Optimum zu bringen. Und an der Stelle, wo der pH-Wert eigentlich schon gut ist, wird zu viel Kalk ausgebracht und letztendlich Geld verschenkt. Man muss also umverteilen. Rein von der Kalkmenge sind ja die Kosten die gleichen. Es ist nur die Applikationskarte, die es unterscheidet. Und da reden wir von 1,50 € pro Hektar.

Ab wann gilt der pH-Wert als homogen und wie lange dauert es, bis dieser Zustand erreicht ist?

Das kann bis zu fünf bis sechs Jahre dauern. Als homogen würde ich eine Abweichung von plus-minus 2 pH-Zehntel ansehen. Wenn ein Schlag pH-Werte von 5,8 bis 6,5 aufweist, streuen wir zum Beispiel zwischen 1,5-2 t bis 5 t Kalk pro Hektar. Nach zwei oder drei Jahren bei der nächsten Bodenuntersuchung stellen wir meistens schon eine größere Homogenität fest.

Andererseits haben wir auch Betriebe, die schon vor fünf bis sechs Jahren den optimalen pH-Wert-Bereich auf vielen Flächen erreicht haben. Trotzdem sehen wir noch Unterschiede, im Bereich zwischen 6,1 und 6,5. Dann variieren die Streumengen nur noch zwischen 1,5 bis 3  t/ha ausgebrachte Kalkmenge.

Es geht also nicht darum, den pH-Wert einmal zu vereinheitlichen, um dann wieder auf der Fläche mit konstanten Mengen zu applizieren?

Es kommt vor, dass man einen Schlag wirklich konstant auf einen pH-Wert eingestellt bekommt. Aber über eine lange Zeit ist das kaum zu halten, weil da viele Faktoren zusammenwirken. Die Auswaschung und der Ertrag sind nicht an jeder Stelle gleich. Und mit unterschiedlichen Erträgen sind auch die Entzüge uneinheitlich.

Der nächste Punkt ist die organische Düngung, speziell die Gülleausbringung. Auch wenn der Dienstleister sie durchführt, heißt es noch lange nicht, dass an jeder Stelle im Feld die gleiche Menge Nährstoff ausgebracht wird, außer man arbeitet mit einem NIR-Sensor. Gerade wenn Sie sich die Werte aus solchen Sensoren anschauen wird offensichtlich welche Unterschiede es in der Gülle gibt. 50 % in beide Richtungen sind keine Seltenheit. Und das sind natürlich Faktoren, die den pH-Wert im Boden beeinflussen. Deswegen müssen wir uns immer wieder an die durch die Bodenbeprobung festgestellten Gegebenheiten anpassen.

Sie gehen hier von einer Situation aus, in der ansonsten nicht teilflächenspezifisch gedüngt wird. Wäre das nicht eine andere Möglichkeit, die Variabilität der Bodenparameter auszugleichen?

Präzisionsdüngung ist nicht verkehrt. Wir führen genauso wie bei der Kalkung die Grunddüngung von P und K teilschlagbezogen nach Applikationskarte durch. Seit über 10 Jahren führen wir die Stickstoffdüngung im Echtzeitverfahren mit 2 Biomasse-Sensoren durch.

Aber meiner Meinung nach muss man eine Rang- und Reihenfolge beachten. Jeder Fachmann wird dies bestätigen: Ich muss mit der Kalkung beginnen, anschließend folgt die Grunddüngung und danach sind der Stickstoff und die Mikronährstoffe dran. Ich brauche gar nicht mit Maßnahmen anzufangen, die nicht richtig funktionieren können, wenn der pH-Wert zu niedrig ist. Da bringen die anderen Maßnahmen nicht so viel.

Darüber hinaus muss man sich fragen: Was kostet eine Kalkung, und was kostet eine Phosphor- oder Kali-Düngung? Ich muss zuerst die Dinge umsetzen, die mit einfachen Mitteln und überschaubaren Kosten verbunden sind. Wenn wir zum Beispiel einen schlechten pH-Wert von 5,2 vorfinden und dort eine P-Düngung durchführen – alles gut und schön, den Phosphor bringen wir aus, aber er wird in der Pflanze kaum zur Wirkung kommen, weil er im Boden zum Großteil sofort festgelegt wird. 

Also: Es ist ertragstechnisch günstiger, zuerst auf einen konstanten pH-Wert zu achten, als an der einen oder anderen Stelle Nährstoffmangel auszugleichen.

Bei einem pH-Wert von 5,2 sind die Auswirkungen so groß, dass beispielsweise der Stickstoff nur zu 50-60 % ausgenutzt werden kann. Mit der aktuellen Düngeverordnung, und vorausschauend bei künftigen Regelungen, müssen die Landwirte im Stickstoff- und Phosphorbereich genau aufpassen. Die Mengen an Dünger, die wir noch ausbringen dürfen, müssen also möglichst zu 100 % zur Wirkung kommen. Es funktioniert nur dann, wenn der pH-Wert möglichst überall im Optimum ist.

Bei wieviel Betrieben übernimmt AIS Schier die Kalkung, und wie groß sind sie typischerweise?

Wir führen im Jahr bei über 100 Betrieben die Kalkung durch. Wir betreuen Landwirte, die 20 ha bewirtschaften ebenso wie große Agrarbetriebe mit bis zu 8000 ha. Die letzten Jahre haben wir ca. 60.000 t Kalk pro Jahr ausgebracht. Das entspricht einer Fläche von ca. 15.000 ha.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Gewinn durch differenzierte Kalkausbringung?

Ich gehe von bis zu 60 €/ha aus, die sich aus Düngereinsparung, Ertragssteigerung und Qualitätsverbesserung ergeben können. Es ist aber keine Zahl aus einer wissenschaftlichen Studie, sondern meine eigene Einschätzung, basierend auf unserer Erfahrung und Aussagen der Kundschaft.

Jetzt vom landtechnischen Standpunkt: Wie funktioniert eine teilschlagbezogene Kalkausbringung?

Die Grundlage bilden ein GIS-Programm, sowie GPS- und Computertechnik an der mobilen Technik und regelbare Applikationstechnik, wie Sie es von anderen Applikationen kennen. Bei der Umsetzung der Applikationskarten haben wir allerdings lange gebraucht, bis wir die Technik gefunden haben, mit der wir immer qualitätsgerecht und zuverlässig arbeiten können. Mit unserem aktuellen Streuer-Hersteller stehen wir in einem ständigen Gedankenaustausch, um immer wieder Verbesserungen in die Technik einfließen zu lassen. Die Herausforderung bei variabler Kalkausbringung ist, die Streuscheibendrehzahl konstant zu halten, bei steigender Ausbringmenge/ha und hoher Fahrgeschwindigkeit.

Als wir mit der Präzisionslandwirtschaft angefangen haben, hatten wir oft das Problem, dass die Drehzahl geringer wurde, was zu einer niedrigeren Arbeitsbreite und einer schlechteren Querverteilung führte. Was die Variabilität angeht, wird die Ausbringmenge über die Geschwindigkeit des Kratzbodens sichergestellt. Die elektro-hydraulisch angetriebene Kratzerkette führt das Streugut mehr oder weniger schnell dem Streuwerk zu.

Welche Variablen gehen in die Applikationskarten ein?

Grundlage bildet eine GPS-gestützte Bodenbeprobung. Dazu setzen wir eine Flotte von 5 Geländefahrzeugen ein. Diese Pick-ups sind mit einem Bodenprobeentnahmegerät, sowie GPS- und Computertechnik ausgestattet. Die Probennahme wird in einer Rastergröße von ca. 3 ha durchgeführt. Die Erstellung der Nährstoffverteilungskarten erfolgt durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Datenmanagement.

Diese Nährstoffkartierung wird mit dem Landwirt bzw. Entscheidungsträger des Betriebs im persönlichen Gespräch ausgewertet. In diesen Gesprächen werden Festlegungen zur Kalkausbringung hinsichtlich Ausbringungszeitpunkt, Flächenauswahl und einzusetzenden Kalkmengen getroffen.

Die zu erstellenden Applikationskarten erstellen wir in einer Rasterzellengröße von 24 x 24 m, was zu unserer typischen Arbeitsbreite von 12 m passt. Aktuell werden sie nur auf Basis des pH-Wertes erstellt. Aber perspektivisch werden wir noch die Unterschiede im Boden berücksichtigen müssen. Bis jetzt geht man davon aus, dass jeder Schlag eine Bodenart beinhaltet, es ist aber nicht immer der Fall. Diese Unterschiede müssen aber herausgefunden werden. Deswegen experimentieren wir jetzt mit einem Bodenscanner. Dadurch werden wir Bodenzonen lokalisieren können. Wo der Boden leichter, sandiger ist, könnte man den pH-Wert auch niedriger einstellen, und dort wo der Boden besser ist, etwas höher. Und das könnte perspektivisch alles in die Applikationskartenerstellung einfließen. 

Das Feedback des Kunden

„Vor 12 Jahren hatten wir sehr heterogene pH-Werte. Mittlerweile variieren sie innerhalb eines Schlages um maximal 0,5 und wir müssen nur geringe Korrekturen vornehmen. Das entscheidende ist dabei das GPS-gesteuerte Probenziehen. Nur mit dieser Technik ist es möglich, die Situation exakt zu verfolgen. Alles wird digital abgespeichert und über die Jahre ausgewertet. Parallel zur Kalkung haben wir auch mit Präzisionsgrunddüngung angefangen. Für mich ist es sehr wichtig, die Böden langfristig zu beobachten, um zielsicher zu einer ausgeglichenen Düngung zu gelangen. Das war unser Ziel und funktioniert mit der Technik sehr gut. Wir konnten schon mittelfristig Ertragssteigerungen zwischen 10 und 20 % feststellen, es funktioniert also tatsächlich. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir jetzt, da wir einen homogenen pH-Wert haben, teilflächenspezifisch kostengünstiger streuen, weil man es wirklich nur dort ausgleichen muss, wo es notwendig ist.“

 

Gerhard Zehnter, 800 ha in Nünchritz Weißig

Direkt zum Artikel der Flur und Furche